Linolsäure

Linolsäure gehört zur Klasse der Omega-6 Fettsäuren, ist ein wichtiger Bestandteil vieler Pflanzenöle und wird gerne in dermatologischen Produkten wie Cremes eingesetzt.

Allerdings ist nach aktueller Datenlage Linolsäure nicht zwangsläufig gesundheitsfördernd. Eine genauere Bewertung hängt insbesondere von der konsumierten Menge und dem Anwendungszweck ab.

  • Einerseits sind Omega-6 Fettsäuren für den menschlichen Körper essentiell und müssen durch die Nahrung aufgenommen werden da dieser sie nicht selbst produzieren kann. Beispielsweise besteht einer großer Teil des menschlichen Gehirns aus Omega-6 Fettsäuren.1
  • Andererseits gibt es aus einer Vielzahl von Studien Hinweise darauf, dass Omega-6 Fettsäuren in größeren Mengen eine Vielzahl ungewollter Nebenwirkungen verursachen können. Beispielsweise konnte in einer Studie ein klarer Anstieg der Entzündungsmarker nach dem Konsum von Linolsäure festgestellt werden.2 Dies ist insbesondere problematisch, da der menschliche Körper nur geringe Mengen an Omega-6 Fettsäuren benötigt und deswegen eine gesunde Tagesdosis leicht überschritten werden kann. Beispielsweise enthalten gerade einmal 0.2 Gramm Distelöl bereits die für den menschlichen Körper erforderliche Tagesdosis an Omega-6 Fettsäuren.3 Besonders negativ auf den menschlichen Körper wirkt es sich aus, wenn deutlich mehr Omega-6 als Omega-3 Fettsäuren konsumiert werden.4
  • Widerum anders muss Linolsäure bewertet werden, wenn sie in dermatologischen Anwendungen verwendet wird.

Im folgenden werden diese Aspekte und die aktuelle Datenlage in der medizinischen Fachliteratur im Detail diskutiert.

Ernährungsphysiologische Bedeutung von Linolsäure

In einer Studie australischer Forscher wurde der Einfluss von Linolsäure auf die Gesundheit von 458 Männern im Alter zwischen 30-59 die kürzlich Herzproblemen hatten, untersucht.5 Zu diesem Zweck wurde den Probanden eine Diät verschrieben, bei der gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Produkten vorkommen, durch Linolsäure ersetzt wurden, wie sie in Distelöl vorkommt. In einer Kontrollgruppe wurden keinerlei Diät-Instruktionen erteilt. Abgesehen von diesem Unterschied, waren die Umstände beider Gruppen gleich. In der Gruppe der Linolsäure verschrieben wurde, konnte ein signifikanter Anstieg der Todeszahlen, Herz-Kreislauf-Erkrankung und koronare Herzerkrankungen im Vergleich zur Kontrollgruppe festgestellt werden. Aus diesem Grund schlussfolgerten die Forscher

Die Empfehlung, mehrfach ungesättigte Fette durch gesättigte Fette zu ersetzen, ist ein wichtiger Bestandteil der weltweiten Ernährungsrichtlinien zur Risikominderung bei koronaren Herzkrankheiten. Die klinischen Vorteile der am häufigsten vorkommenden mehrfach ungesättigten Fettsäure, der Omega-6-Linolsäure, konnten jedoch nicht nachgewiesen werden. In dieser Untersuchung erhöhte die Substitution von gesättigten Fetten durch Linolsäure die Sterblichkeitsrate aus allen Ursachen, die Anzahl der koronaren Herzkrankheiten und der Herz-Kreislauf-Erkrankung. Eine aktualisierte Meta-Analyse von Linolsäure-Interventionsversuchen zeigte keine Hinweise auf einen kardiovaskulären Nutzen.

Zudem wurde in einer aktuellen Forschungsübersicht, die die Ergebnisse einer Vielzahl detaillierter Studien zusammenfasst, festgestellt, dass Linolsäure-Konsum keinesfalls Endzündungsmarker reduziert oder gar beseitigt.2

Außerdem konnte eine internationale Gruppe von Forschern nachweisen, dass Linolsäure Fettleibigkeit begünstigt.6

Besonders problematisch ist, wenn Öle die reich an Linolsäure sind erhitzt werden. Linolsäure ist als mehrfach ungesättigte Fettsäure instabil und kann bei Stresseinwirkungen leicht brechen (oxidieren). Als Resultat solcher Oxidationsprozesse können einer Vielzahl toxischer Stoffe entstehen.7

  • Zum einen können oxidierte Fettsäuren mit sogenannten freien Radikalen im Blut reagieren und so Immunreaktionen auslösen. Passiert dies, können Entzündung-Symptome auftreten und so die Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen steigen.8
  • Andererseits können oxidierte Fettsäuren direkt von sogenannten Lipoproteine aufgesammelt werden, welche dann wiederum selbst oxidiert werden. Oxidierte Lipoproteine können Arterienwände durchdringen und so Entzündungen auslösen. Als Resultat einer solchen Reaktion kann es zu Verstopfungen der Arterien kommen und somit das Herzerkrankungen-Risiko dramatisch steigen.9

Fazit:

Nach aktuellem Kenntnisstand erhöht der Konsum von Linolsäure über das normale Maß hinaus das Risiko an Fettleibigkeit, Herzkrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken.

Dermatologische Bedeutung von Linolsäure

Als essentielle Fettsäure spiel Linolsäure eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Feuchtigkeitsbarriere der Haut.10 So konnte ebenfalls nachgewiesen, dass eine äußere Anwendung von Linolsäure die Heilung bei Hautverletzungen beschleunigen kann.11 Außerdem ist bekannt, dass Linolsäuremangel zu schuppigen und juckenden Hauterkrankung bei haarlosen Mäusen führt.12

Nach aktueller Datenlage liegt es nahe, dass Linolsäure einen wichtigen Beitrag zur Hautgesundheit beitragen kann.

Hintergrundwissen

Referenzen:
  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20329590[]
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22889633[][]
  3. https://www.mdpi.com/1422-0067/16/6/12871/pdf []
  4. https://www.mdpi.com/2072-6643/8/3/128 []
  5. https://www.bmj.com/content/346/bmj.e8707[]
  6. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1038/oby.2012.38 []
  7. https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/circresaha.110.224618[]
  8. http://uu.diva-portal.org/smash/get/diva2:160811/FULLTEXT01.pdf[]
  9. Modern Nutrition in Health and Disease edited by Maurice Edward Shils, Moshe Shike[]
  10. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022202X1545763X?via%3Dihub https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/0005276085900098?via%3Dihub https://lpi.oregonstate.edu/mic/health-disease/skin-health/essential-fatty-acids []
  11. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1067-1927.2004.012216.x []
  12. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25387853 []