Populäre Irrglauben zum Thema Fette und Öle

„Fett macht Fett“

Der weit verbreitete Glaube, dass Fett in der Nahrung zu Übergewicht und Herzerkrankungen führt, beruht hauptsächlich auf fehlerhaften Studien in den 1960ern.1 Insbesondere die 1958 veröffentlichte sogenannte Seven Country Study, war hauptverantwortlich für die Verteufelung von fettreicher Nahrung. Allerdings ist genau diese Studie mittlerweile als Musterbeispiel dafür entlarvt worden, wie man perfekt mit Statistiken lügt.2

Eines der Hauptresultate der Studie war ein Diagramm, das einen klaren Zusammenhang zwischen dem totalen Fettkonsum und der Anzahl an Herztoden zeigt.3 Auf der Basis dieses Diagramms wurde für Jahrzehnte angenommen, dass eine fettreiche Ernährung Herzerkrankungen begünstigt. Allerdings konnte diese Schlussfolgerung nur gefällt werden, weil die Länder in der Seven Countries Study sehr sorgfältig ausgewählt hatte. Nimmt man eine größere Anzahl von Ländern hinzu, ist kein klarer Zusammenhang erkennbar. Es wäre genauso gut möglich 7 andere Länder auszuwählen, die einen klaren Trend aufzeigen, dass ein höheren Fettkonsum ein geringeres Risiko für Herztode impliziert.4

Mittlerweile ist bekannt, dass die Schlussfolgerung die nur aufgrund der sorgfältigen Auswahl der Länder gefällt werden konnte, schlichtweg falsch ist.

Beispielsweise wurden in der größten Lebensmittelstudie die jemals durchgeführt wurde, der „Women’s Health Initiative“ mit insgesamt 46.835 Probandinnen, die Teilnehmerinnen instruiert auf einen reduzierten Fettanteil in ihrer Ernährung zu achten. Nach 8 Jahren wurde lediglich ein 0.4 kg Unterschied im Vergleich zur Kontrollgruppe und keinerlei Unterschied hinsichtlich Herzerkrankungen, Todesfälle oder Krabs festgestellt.5 Seitdem wurden diese Ergebnisse in mehreren anderen großen Studien bestätigt.6

Außerdem gibt es einen klaren Anstieg des Anteils übergewichtiger Menschen seitdem Ernährungsinstitute empfehlen sich fettreduziert zu ernähren:7

Dies ist selbstverständlich kein Beweis (Korrelation ist nicht Kausalität). Trotzdem verdichten sich die Hinweise, da beispielsweise in bisher jeder Studie in der die „Low-Fat“ Diät mit einer anderen Diät (Low-Carb, Paleo. Vegan, Kreta) verglichen wurde, die alternative Diät klar gewann.8

Nach aktuellen Wissensstand hat eine Ernährung mit reduziertem Fettanteil keinerlei Vorteile hinsichtlich der Herzgesundheit oder Lebenserwartung. Stattdessen gibt es ein erhöhtes Risiko für Fettleibigkeit, da in einer fettreduzierten Ernährung gesunde Fette durch ungesunde kurzkettige Kohlenhydrate ersetzt werden.

„Nur cholesterinfreie Öle sind gesund“

Hersteller pflanzlicher Öle werben gerne mit dem Zusatz „cholesterinfrei“. Allerdings sind alle pflanzlichen Öle cholesterinfrei, da Cholesterin ausschließlich in tierischen Produkten (Butter, Schmalz, etc.) vorkommt.

Viel wichtiger ist aber, dass sich Cholesterin in der Nahrung bei Menschen kaum auf den Cholesterinspiegel im Blut auswirkt.9 Außerdem gibt es nach aktuellen Studien keinerlei Hinweise darauf, dass Cholesterin das über die Nahrung aufgenommen wird, mit einem erhöhten Herzkrankheitsrisiko korreliert ist.10

Zudem ist der totale Cholesterinspiegel kein zuverlässiger medizinischer Marker, da er neben dem LDL-Cholesterin auch HDL-Cholesterin mitzählt. Allerdings ist nur ein erhöhter LDL-Spiegel mit einem erhöhten Krankheitsrisiko korreliert, während ein erhöhter HDL-Spiegel sogar mit einem gesenkten Krankheitsrisiko korreliert ist.11

Aus diesem Grund haben bereits vor einigen Jahren das amerikanische Gesundheitsministerium und der Deutsche Gesellschaft für Ernährung ihre Empfehlungen auf cholesterinreiche Produkte zu verzichten, zurückgenommen.

Eine cholesterinreiche Ernährung führt nicht zwangsläufig zu einem erhöhtem Cholesterinspiegel im Blut und es gibt keine Hinweise auf eine erhöhtes Herzkrankheitsrisiko.

„Gesättigte Fettsäuren sind schädlich“

Der weitverbreitete Glaube, dass gesättigte Fettsäuren insbesondere für die Herzgesundheit schädlich sind, beruht hauptsächlich auf Versuchen aus den 1960ern. Während dieser Jahre stellten Forscher einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und einem erhöhten Cholesterinspiegel fest. (A verursacht B) Außerdem galt zu dieser Zeit als gesichert, dass einer erhöhter Cholesterinspiegel direkt mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen korreliert ist (B verursacht C). Daraus wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass gesättigte Fettsäuren ein Gesundheitsrisiko darstellen. (A verursacht C)

Allerdings beruhten diese Schlussfolgerungen ausschließlich auf den Resultaten von Versuchen an Tieren und zu keiner Zeit auf Studien mit menschlichen Probanden.12 Trotzdem wurde vorschnell von Gesundheitsbehörden überall auf der Welt eine Warnung vor gesättigten Fettsäuren ausgesprochen. Zudem sollte klar sein, dass nur weil ein Nahrungsmittel einen Stoff enthält der X auslösen kann, nicht unmittelbar geschlussfolgert werden kann, dass das Nahrungsmittel ebenfalls X auslöst. Beispielsweise können in dem Nahrungsmittel andere Stoffe enthalten sein, die die Wirkung des isolierten Stoffes aufheben oder gar ins Gegenteil umkehren. In modernen Studien werden deswegen hauptsächlich die Wirkungsweisen ganzer Nahrungsmittel ansteller isolierter Komponenten untersucht.

Mittlerweile wurde die Warnungen vor gesättigten Fettsäuren von den meisten Behörden aufgehoben, da es nach aktuellem Wissensstand in der Medizin kein Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und Herzerkrankungen besteht.13 Insbesondere konnte gezeigt werden, dass ein Verzicht auf gesättigte Fettsäuren das Risiko an einer Herzerkrankung zu sterben, nicht senkt.14

Beispielsweise hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung den Satz: „Zu viele gesättigte Fettsäuren erhöhen das Risiko für Fettstoffwechselstörungen, mit der möglichen Folge von Herz-Kreislauf-Krankheiten„, aus ihren „10 Regeln“ entfernt. 15

Gesättigte Fettsäuren wurden auf der Basis unzureichender Evidenzen verteufelt und sind nach heutigem Kenntnisstand gibt es „keine signifikanten Hinweise darauf, dass gesättigte Fettsäuren mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.16

„Ungesättigte Fettsäuren sind gesund“

Während manche ungesättigte Fettsäuren, insbesondere Omega-3 Fettsäuren, gesundheitsfördernd wirken, gilt dies nicht generell. Insbesondere gibt es gesundheitliche Bedenken hinsichtlich eines erhöhten Konsums an Omega-6 Fettsäuren.17

Insbesondere konnte in mehreren Studien nachgewiesen werden, dass Menschen die Lebensmittel mit einem großen Anteil gesättigter Fettsäuren durch pflanzliche Öle mit einem hohen Anteil ungesättigter Omega-6 Fettsäuren ersetzen, eine erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit haben.18 Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass ein erhöhter Konsum an Omega-6 Fettsäuren relativ zum Konsum von Omega-3 Fettsäuren direkt mit einem erhöhten Fettleibigkeitsrisiko korreliert ist.19

Omega-3 Fettsäuren haben in der Tat einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Auf Omega-6 Fettsäuren trifft dies allerdings nicht generell zu. Stattdessen gibt es Hinweise, dass sie eher gesundheitsschädlich wirken.

„Pflanzliche Öle sind gesünder als tierische Fette“

Wie bereits oben angemerkt ist für viele Pflanzenöle, insbesonders solche die einen hohen Anteil an Omega-6 Fettsäuren enthalten (Distelöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl), das Gegenteil der Fall. In mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass Menschen die Lebensmittel mit einem großen Anteil gesättigter Fettsäuren durch pflanzliche Öle mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren ersetzen, eine erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit haben.18

Tierische Fette wurde auf der Basis falscher Annahmen über die Gefahren einer cholesterinreichen Ernährung verteufelt. Nach dem aktuellen Erkenntnisstand sind tierische Fette nicht nur nicht ungesund, sondern sogar gesünder als viele pflanzliche Öle.

Referenzen:
  1. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109703016310 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0899900710002893[]
  2. Siehe insbesondere das Buch Wie lügt man mit Statistik von Darrell Huff []
  3. http://www.epi.umn.edu/cvdepi/wp-content/uploads/2014/03/Keys-Atherosclerosis-A-Problem-in-Newer-Public-Health.pdf []
  4. Siehe Figure 2 in dieser Studie http://library.crossfit.com/free/pdf/1957_Yerushalmy_Hilleboe_Fat_Diet_Mortality_Heart_Disease.pdf?_ga=2.206289111.555365179.1558431708-1199438079.1558431708 []
  5. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/202339 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16391215 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16467233 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16467232[]
  6. http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=377969 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1212914 []
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK19623/ []
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK19623/ https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19339401 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1467-789X.2008.00518.x https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1200303[]
  9. https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/eier-ist-cholesterin-in-ostereiern-schlecht-fuers-herz-a-964465.html []
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19751443 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26109578[]
  11. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa021993 https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/article-abstract/601301 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19476581 https://www.ahajournals.org/doi/full/10.1161/01.cir.0000154555.07002.ca https://www.ahajournals.org/doi/abs/10.1161/01.cir.79.1.8 http://europepmc.org/abstract/MED/11374850[]
  12. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0735109703016310 []
  13. https://annals.org/aim/article-abstract/1846638/association-dietary-circulating-supplement-fatty-acids-coronary-risk-systematic-review[]
  14. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD002137.pub3/abstract []
  15. https://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/gesunde-ernaehrung-die-dge-hat-ihre-10-regeln-erneuert-a-1165566.html[]
  16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20071648[]
  17. https://www.karger.com/Article/FullText/235706[]
  18. https://www.bmj.com/content/346/bmj.e8707 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21118617[][]
  19. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4808858/ []

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