Distelöl

Distelöl

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Distelöl wird seit Jahren mit einer Liste gesundheitsfördernder Eigenschaften beworben. Zu den den häufigsten Behauptungen gehören, dass Distelöl den Metabolismus ankurbelt, den Cholesterinspiegel senkt und die Herzgesundheit verbessert, da es kaum gesättigte Fettsäuren enthält.

Allerdings sind nach aktueller Datenlage die meisten dieser Versprechungen falsch oder zumindest stark übertrieben.

Zum einen ist Dieselöl, wie die meisten Pflanzenöle, keinesfalls das Naturprodukt für das es oftmals gehalten wird. Außerdem kann Distelöl gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten die während der industriellen Verarbeitung entstehen.

Desweiteren enthält auch unverarbeitetes Distelöl einen hohen Anteil an Linolsäure, welche mit verschiedenen Gesundheitsrisiken gebracht wird.1

Im folgenden werden diese Aspekte im Detail diskutiert.

Ist Distelöl gesund?

Historisch wurde die Färberdistelpflanze aus welcher Distelöl gewonnen wird, hauptsächlich, wie der Name bereits andeutet, benutzt um Kleidungsstücke orange zu färben.2

Erst seit den 1960ern wird Distelöl auch weitverbreitet als Speiseöl eingesetzt.

Um die Frage ob Distelöl gesund ist zu beantworten, muss zunächst zwischen verschiedenen Ölarten unterschieden werden.

Einerseits gibt es kaltgepresstes Distelöl, welches ausschließlich mit mechanischen Verfahren gewonnen wird. In solch kaltgepresstem Distelöl befindet sich viele der gesündesten Nährstoffe, die sich auch in der Färberdistel-Pflanze finden. Allerdings besitzt kaltgepresstes Distelöl einen extrem niedrigen Rauchpunkt und kann deswegen nicht zum Kochen oder in den meisten Prozessen der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Zudem ist kaltgepresstes Distelöl nur relativ kurz haltbar.

Aus diesen Gründen ist raffiniertes Distelöl deutlich verbreiteter als kaltgepresstes Distelöl. Durch die Raffination werden Stoffe wie Vitamin E oder auch große Anteile der (gesunden) konjugierten Linolsäure aus dem Öl entfernt. Außerdem wird das rohe Distelöl enormen chemischen und mechanischem Stress ausgesetzt, wodurch die Wahrscheinlichkeit das sich Transfette bilden, enorm steigt.

Zudem besitzt sowohl kaltgepresstes als auch raffiniertes Distelöl einen extrem hohen Anteil an Linolsäure (Omega-6).

Hierdurch kann es leicht zu einem Ungleichgewicht zwischen Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren kommen, da der menschliche Körper nur einen sehr geringen Anteil an Omega-6 Fettsäuren zum Funktionieren benötigt.3

Ein erhöhter Konsum von Omega-6 Fettsäuren wird mit Entzündungskrankheiten, Fettleibigkeit und einem erhöhten Herzkrankheiten-Risiko in Verbindung gebracht.4 Außerdem gibt es aus mehreren Studien Hinweise darauf, dass ein erhöhter Konsum von Omega-6 Fettsäuren mit einer verkürzten Lebenserwartung korreliert.5

Andererseits gibt es vereinzelte Studien in denen Distelöl mit einer positiver Wirkung auf bestimmte Gesundheitsmarker in Verbindung gebracht wird. In einer vielzitierten Studie wurde beispielsweise der Effekt von Distelöl auf 35, an Diabetes erkrankte, Frauen untersucht.6 Als Ergebnis konnten die Forscher eine signifikante Senkung des Blutzuckerspiegels und bestimmter Entzündungsmarker feststellen. Allerdings sollten die Ergebnisse dieser Studie vorsichtig bewertet werden, da insgesamt nur 13 Frauen die vollständige Studie durchliefen.

Bei einer so geringen Anzahl an Probandinnen könnte es sich bei dem festgestellten Effekt auch mit einer nicht zu vernachlässigbaren Wahrscheinlichkeit um eine statistische Fluktuation handeln.7 Beispielsweise könnte man auch Schlussfolgern, dass die Enzündungsmarker sogar angestiegen sind, sofern man alle 27 Probandinnen mit einbezieht, die an der erste Stufe der Studie teilgenommen haben.

Dieses Ergebnis wäre im Einklang mit dem Resultat einer neueren Studie, in der ein klarer Anstieg der Entzündungsmarker durch den Konsum von Linolsäure (der Hauptkomponente von Distelöl) festgestellt werden konnte.8

Ein weiter Hauptgrund warum Distelöl häufig als gesund angepriesen wird, ist der extrem geringe Anteil an gesättigten Fettsäuren.

Allerdings ist schon seit längerem bekannt, dass gesättigte Fettsäuren keinesfalls gesundheitsschädlich sind.

Fazit:

Da Distelöl in der Regel nur in raffinierter Form verkauft und verarbeitet wird und der hohe Anteil an Omega-6 Fettsäuren ein Gesundheitsrisiko darstellt, ist die Frage ob Distelöl gesund ist, primär mit nein zu beantworten.

Etwas besser fällt das Urteil aus wenn Distelöl nicht konsumiert sondern in dermatologischen Anwendungen verwendet wird.


Dermatologische Bedeutung von Distelöl. (Verwendung in Cremes und sonstigen dermatologischen Produkten)

  • In einer Studie mit 20 japanischen Probanden konnte eine antioxidative Wirkung von Färberdistelsamen-Extrakt nachgewiesen werden. 9 Ähnliche Ergebnisse konnten in einer Studie an Meerschweinchen festgestellt werden. 10
  • Erste Hinweise auf einen hautkrebsvorbeugende Wirkung konnte in einer Studie mit Mäusen festgestellt werden. 11
  • In zwei Studien konnte eine entzündungshemmende Wirkung des in Distelöl vorkommenden Stoffes Luteolin nachgewiesen werden. 12


LEGENDE:

  • > 50: erhöhtes Risiko
  • 50: kein Zusammenhang
  • <50 reduziertes Risiko

Ist kein Punkt gezeichnet, liegen aktuell noch nicht genug Daten vor.

QUELLEN:


siehe Text oben.

Hintergrundinformationen

Synonyme: Safloröl (Deutsch); Safflower oil, safflowerseed oil (Englisch); Huile de carthame (Französisch)

Die Färberdistel kommt ursprünglich in den Bereichen Vorderindien und Kleinasien vor. Seit langer Zeit gehört ist sie in den Ländern Japan, China, Ostindien, Persien und auch weiteren Ländern Nordafrikas und Südeuropas ein fester Bestandteil der Kultur. Den Ursprung der Verbreitung bildete die Türkei, von dort aus wurde die Färberdistel in alle Länder des Mittelmeerraumes gebracht. Durch die Römer fand sie ihren Weg in die mittleren Teile Europas. Ursprünglich wurde die Pflanze im Mittelalter als Farbpflanze genutzt. Mit der Erfindung der synthetischen Farbstoffe zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwand der Saflor, um Farbe herzustellen, fast gänzlich. 

Obwohl Färberdistel in mehr als 60 Ländern angebaut wird, wird der größte Anteil in Indien, Kasachstan, Mexiko, USA und Argentinien produziert. Insgesamt wird in Amerika und Asien 93% der Gesamtmenge an Färberdistel angebaut.

Gewinnung von Distelöl

Die Pflanze wird in einem sehr trockenen Zustand geerntet, idealerweise steht sie zu diesem Zeitpunkt bereits kurz vor ihrer kompletten Vertrocknung. In der Zeit von August bis in den September werden die Disteln geerntet. Die im Mähdrusch enthaltenen Körner und die Blätter der Blüten, die später zu Farbstoff verarbeitet werden, werden in Handarbeit geerntet. Das Safloröl wird aus den Samen der Pflanze gewonnen, entweder durch Extraktion oder durch eine Pressung. Wird das Verfahren der Kaltpressung angewendet, dann eignet sich das so gewonnene Öl als Speiseöl.

Wird bei der Pressung Hitze angewendet, dann kann das gewonnenen Öl zu technisch nutzbarem Öl gemacht werden. Um 25 Kilogramm Rohöl zu erhalten, werden circa 100 Kilogramm Samen benötigt. Wird die Methode der Extraktion angewendet, können so um die 28 Kilogramm Öl gewonnen werden.

Das Rohöl hat einen Eigengeschmack, der als kratzig wahrgenommen wird. Daher wird das gewonnene Rohöl immer noch, zumindest zu einem bestimmten Teil, raffiniert. 

Verwendung von Distelöl 

Bei kühler Lagerung ohne direkten Sonnenkontakt kann kaltgepresstes Distelöl maximal 12 Monate gelagert werden. 13

Die Hauptanwendungsbereiche von Distelöl sind die Bereiche des Kochens, der Technik und der Hautpflege. 

Im Bereich der Ernährung gilt das Distelöl als eines der empfehlenswertesten Öle, da es über eine hohe Konzentration an den gesunden, ungesättigten Fettsäuren aufweist. Besonders als Öl für Salate ist das Distelöl hervorragend geeignet.

Da es allerdings zu viel Hitze nicht verträgt, sollte es nicht zum Braten verwendet werden. Zum Garen oder Dünsten kann es eingesetzt werden, hier muss dann allerdings eine niedrige Temperatur genutzt werden. 

Im Bereich der Kosmetik ist Distelöl ein beliebter Inhaltsstoff. Es eignet sich beispielsweise, um Seife mit sehr weicher Textur herzustellen. Auch als rückfettender Bestandteil in Duschgelen und Badeölen wird es häufig verwendet. Für den Bereich der Augen wirkt das Distelöl sehr pflegend. Ebenfalls ist es empfehlenswert bei sehr fettiger Haut und Akne Erkrankungen. Dank seiner mattierenden Eigenschaft wird es häufig in Cremes für fettige Haut und Haut, die oft Entzündungen aufweist, verwendet. 

In der Technik wird das Distelöl zur Herstellung von Linoleum verwendet, ebenso für die Herstellung von Lacken und Firnissen. Ebenfalls wird es angewandt, um Margarine herzustellen. Auch in der Produktion von Druckfarben und Alkydharze kommt es zu Anwendung. Darüber hinaus lässt sich das Distelöl auch als Brennöl verwenden. 

Arten von Distelöl 

Bei Distelöl wird grundsätzlich zwischen zwei Arten unterschieden, dem „high oleic“ Öl und dem „high linoleic“ Öl. Diese beiden Ölarten haben verschiedene Vor- und Nachteile, dadurch sind diese für verschiedene Menschen verschieden gut geeignet. 

Unbehandeltes Distelöl hauptsächlich aus Linolsäure und nur knapp 12% der Fettsäuren sind gesättigt. Allerdings gibt es auch speziell behandeltes, „hoch erhitzbares“ (high oleic) Distelöl, welches hauptsächlich aus Ölsäure besteht.

High oleic Öl ist bis 210°C hitzebeständig und somit ebenfalls zum Frittieren und zum Braten genutzt werden kann. Ebenfalls ist das Öl zur Herstellung von Seife geeignet und lange haltbar.

Allerdings ist in high oleic Distelöl wenig Linolsäure enthalten und somit für die Anwendung im Kosmetikbereich nicht sonderlich gut geeignet.

  Physikalische Kennzahlen

Quelle: Roth und Kormann: Ölpflanzen – Pflanzenöle. Ecomed-Verlag, Landsberg am Lech 2000

  • Brechungsindex: 1,4731–1,4754
  • Dichte: 0,922–0,938
  • Verseifungszahl: 186–203
  • Iodzahl: 140–150
  • Unverseifbares: 0,5–1,5%
  • Schmelzpunkt: –5 °C
  • Erstarrungspunkt: –13 bis –20 °C
Referenzen:
  1. Eine detaillierte Diskussion dieser Problematik findet sich hier. []
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%A4rberdistel []
  3. https://www.mdpi.com/1422-0067/16/6/12871/pdf)) Beispielsweise enthalten gerade einmal 0.2 Gramm Distelöl bereits die für den menschlichen Körper erforderliche Tagesdosis an Omega-6 Fettsäuren.(( https://www.mdpi.com/1422-0067/16/6/12871/pdf[]
  4. https://www.nature.com/articles/s41598-017-12624-9 https://www.mdpi.com/2072-6643/8/3/128[]
  5. https://www.bmj.com/content/346/bmj.e8707 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21118617[]
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3115398/[]
  7. In diesem Kontext ist dieser Artikel enorm hilfreich um die Wichtigkeit einer ausreichenden Probandenzahl zu verstehen. []
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22889633[]
  9. Koyama, N., Suzuki, K., Furukawa, Y., Arisaka, H., Seki, T., Kuribayashi, K., et al. (2009). Effects of safflower seed extract supplementation on oxidation and cardiovascular risk markers in healthy human volunteers. British Journal of Nutrition, 101(04), 568e575. []
  10. Hotta, Y., Nagatsu, A., Liu, W., Muto, T., Narumiya, C., Lu, X., et al. (2002). Protective effects of antioxidative serotonin derivatives isolated from safflower against postischemic myocardial dysfunction. Molecular and Cellular Biochemistry, 238(1e2), 151e162. []
  11. Yasukawa, K., Akihisa, T., Kasahara, Y., Kaminaga, T., Kanno, H., Kumaki, K., et al. (1996). Inhibitory effect of alkane-6,8-diols, the components of safflower, on tumor promotion by 12-O-tetradecanoylphorbol-13-acetate in two-stage carcinogenesis in mouse skin. Oncology, 53(2), 133e136. []
  12. Chen, C.Y.; Peng, W.H.; Tsai, K.D.; Hsu, S.L. Luteolin suppresses inflammation-associated gene expression by blocking NF-kappaB and AP-1 activation pathway in mouse alveolar macrophages. Life Sci. 2007, 81, 1602–1614. Lopez-Lazaro, M. Distribution and biological activities of the flavonoid luteolin. Mini Rev. Med. Chem. 2009, 9, 31–59 []
  13. Roth und Kormann: Ölpflanzen – Pflanzenöle. Ecomed-Verlag, Landsberg am Lech 2000 []

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